L.M. Gianetti Special Parts
„Es macht ja keinen Sinn, in fortschrittliche Maschinen mit hoher Kapazität zu investieren, um diese dann während der unproduktiven Rüstphasen still stehen zu lassen – und wir müssen unsere Maschinen häufig umrüsten,“ erklärt Paolo Gianetti, Geschäftsführer von L.M. Gianetti Special Parts in der italienischen Automobilstadt Turin. „Je teurer eine Maschine ist, desto wichtiger wird es, so viele Spindelstunden wie möglich aus ihr heraus zu holen.“
Seit über 40 Jahren liefert L.M. Gianetti Special Parts Komponenten an diverse Rennställe im Motorrad- wie im Autorennsport. Der Exportanteil liegt bei etwas über 70 Prozent.
Stoßdämpferbefestigung aus Ergal-Aluminium für Ralley-Autos von Ford. Bearbeitungsdauer: ca. zwei Stunden.
Wenn man im Fernsehen ein Rennen sieht – sei es Formel 1, Nascar, World Rallye Championship, WDTCC oder was auch immer – ist es sehr wahrscheinlich, dass ein oder mehrere Rennställe mit Komponenten von Gianetti fahren. Man kann diese Komponenten nicht sehen, aber für den Erfolg sind sie oft entscheidend.
In der klimakontrollierten Werkstatt wird selten gewöhnlicher Stahl bearbeitet. Für diese Spezialkomponenten sind hochwertige Werkstoffe wie Titan, Aluminium – vorzugsweise Ergal-Aluminium – oder hochlegierter Spezialstahl erforderlich. In Werkstoff- und Umweltfragen pflegt das Unternehmen die enge Zusammenarbeit mit mehreren Forschungszentren und Universitäten.
Vor Beginn der eigentlichen Rennsaison läuft die Arbeit bei Gianetti auf Hochtouren. Während ihrer intensiven Entwicklungsarbeit fordern die Rennställe schnelle Lieferungen neuer Komponenten, die getestet und ausgewertet werden sollen. Das sind typische Einstückfertigungsaufträge. Nach der Auswertung und eventuellen Korrekturen folgt schließlich die „Serienproduktion“ von 4-5 Stück.
Paolo Gianetti: „Beim Umrüsten wird das Produktionsrennen entschieden. Mit minimalem Zeitverlust umrüsten – und schnell wieder raus aus der Boxengasse!
Paolo Gianetti investiert ständig in die neueste Technologie, denn er weiß, dass einem die Wettbewerbsfähigkeit nicht in den Schoß fällt. Selbst wenn man eine starke Marktposition erobert hat, darf man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Wer in dieser Branche nicht ständig Vollgas gibt, wird nicht nur von den Konkurrenten überholt, sondern läuft auch Gefahr, alles bisher erreichte zu verlieren.
Das Fräsen ist die überwiegende Bearbeitungsform, aber auch Drehen, Schleifen, Funkenerosion, Schweißen und Vakuumlöten gehören zum Alltag der 50 kompetenten Gianetti-Mitarbeiter. Das Unternehmen verfügt heute über 16 CNC-Fräsen.
„Vor einem knappen Jahr installierten wir zwei neue 5-achsige DMU 80P hi-dyn“, sagt Paolo Gianetti. „Das sind ausgesprochen potente Maschinen, solange sie in Betrieb sind, aber das ständige Umrüsten hat die Anzahl der Spindelstunden stark begrenzt. Als Formel-1-Liebhaber weiß ich, dass viele Rennen bei den Boxenstopps entschieden werden, und das Umrüsten der Maschinen sind unsere Boxenstopps.“
Titan-Bauteil für den Heckspoiler für einen Formel-1-Stall.
Einer Empfehlung folgend fasste man den Beschluss, die Maschinen mit dem pneumatischen Delphin-System von System 3R auszurüsten. Einer der Vorteile von Delphin besteht darin, dass jeder Anwender den Aufbau des Maschinentisches hinsichtlich Anzahl und Anordnung der Spannfutter selbst festlegen kann. So lässt sich die Maschine optimal dem jeweiligen Bedarf anpassen. Gianetti entschied sich für vier kreuzförmig angeordnete Futter mit standardisiertem Zentrummaß für jeden Maschinentisch. Vorhandene Schraubstöcke und Vorrichtungen ließen sich mit entsprechenden Zugzapfen leicht dem neuen System anpassen.
„Durch die relativ kleine Investition haben wir die Anzahl der Spindelstunden in diesen Maschinen um über 20 Prozent erhöht“, freut sich Paolo. „Wir spannen das Werkstück außerhalb der Maschine auf die Vorrichtung oder den Schraubstock, während die Maschine einen anderen Auftrag bearbeitet. Danach lassen sich die Werkstücke schnell und einfach einwechseln, und schon sind wir wieder im Rennen. Astrein! Und das ist erst der Anfang. Wir werden auch unsere anderen Maschinen mit dem Delphin-System ausrüsten.“
Getreu seiner Strategie, die Position des Unternehmens durch ständige Weiterentwicklung des Maschinenparks zu verteidigen, zieht Paolo Gianetti inzwischen auch die Automatisierung der Ein-Stück-Fertigung in Betracht. Alles, um die Durchlaufzeiten zu verkürzen.
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